Absinth ist ein alkoholisches Getränk, gebrannt aus einem Kräuterextrakt der hauptsächlich aus Wermut, Anis, Fenchel, Melisse und Ysop besteht. Manche Brenner geben auch Enzian, Pfefferminze und Engelswurz oder die Gewürze Stern-Anis und Koriander hinzu.
Für den Absinth werden die jungen, zarten Triebe geschnitten, gebündelt und an luftigem Ort getrocknet. Die Variationen der Rezeptur sind ein streng gehütetes Geheimnis. Traditionell ist Absinth von klar chlorophyllgrünem Aussehen und wird nach der Zugabe von geeistem Wasser opak milchig. Je nach Kräutermischung fällt die Trübung weißlich, gelblich, bläulich oder grünlich aus.

Der Wirkstoff des Absinth, das Thujon, wird aus Wermut gewonnen. Botanisch ist Wermut (Artemesia absinthium L.) ein ca.1m hoher Busch mit haarigen, silbergrauen Blättern. An den seidig filzigen Stengeln hängen die kugeligen gelben Blüten. Wermut bevorzugt felsige, trockene Standorte und ist in ganz Europa zu Hause.

Der Volksmund kennt die Wermutpflanze auch unter den Namen Absinth, Heilbitter, Schweitzertee, Wurmkraut oder Magenkraut. Der Bitterstoff Absinthin ist ein ausgezeichnetes Mittel bei Magen,-Darm,-und Gallenbeschwerden sowie zur Appetitanregung.
Das ätherische Öl Thujon als wichtigster Teil der Wermutpflanze ist bis heute wenig erforscht. Sicher ist, daß Thujon sich der gleichen Rezeptoren im menschlichen Gehirn bedient wie das THC, dem Wirkstoff von Canabis. Thujon wirkt in geringen Dosen bewußtseinserweiternd. Farbe, Töne, Zeit und Raum, sowie Gespräche und Eindrücke werden vertieft. Frühere Absinthe waren höher thujonhaltig und damit halluzinogen.

Bis in die Frühzeit reicht das Wissen um die medizinale und aphrodisierende Wirkung des Wermut. Im alten Ägypten trank man ein mit Beeren und Honig versetztes Wermutbier gegen Verdaungsstörungen. In der römischen Frauenheikunde nutzte frau den Wermut bei Menstruationsbeschwerden und zur Schwangerschaftsunterbrechung. In der jüdischen Kabala, in der Bibel und in magisch alchimistischen Texten des Mittelalters wird Wermut häufig erwähnt.
Französische Seefahrer und Kolonialsoldaten desinfizierten ihr Trinkwasser mit Absinth und beugten der Ruhr und Gelbsucht vor. Ursprünglich war Absinth die probate Malariaprophylaxe. Die originale Rezeptur des Absinth wurde vor mehr als 200 Jahren von Henriette Henriod geschaffen. Daheim, im schweizerischen Val-de-Traves, kreierte sie Absinth als ein Allheilmitel bei allerhand Zipperlein und gab ihm den Kosenamen »La Fee verte« - »Grüne Fee«. Nach diesem Rezept brannte Henri-Louis Pernod erstmals industriell Absinth.

Als »Juramilch«, »Petite bleue« und »Fee verte« trat er seinen Siegeszug bei den Intellektuellen, Künstlern und nicht zuletzt den selbstbewußten Frauen dieser Zeit an, die sich erstmals zum Absinthtrinken allein in Cafes wagen durften. Vor allem in Frankreich fand der Absinth größte Verbreitung und hatte dort auch die berühmtetsten Anhänger. Die feurige Farbenwelt des Impressionismus hätte ohne den Absinth wohl schwächer geglüht.

Absinth hatte seinen Höhepunkt im »Fin-de-Siecle« Ende des 19. Jahrhunderts. Im Paris der Bohemiens, Cabarets und der kleinen Tanztheater eröffnete die »Grüne Stunde« mit dem Absinthzeremoniell das allabendliche Amusemente.
Anfang des 20. Jhd.s sorgte vorallem die unheilige Verbindung von Weinlobby, Militär und Katholischer Kirche für die Verteufelung des Absinth. Nach und nach wurde Absinth weltweit verboten. Erst EU-Richtlinien und eine modifizierte Aromenverordnung legalisierten Absinth mit einem begrenzten Thujongehalt.